Wir beten noch

Liebe Freunde,

danke für alle Unterstützung, alle ermutigenden Begegnungen, Impulse und Gebete. Was waren die Schwerpunkte unserer Arbeit im vergangenen Jahr und was haben wir uns für das laufende Jahr vorgenommen? Wenn Du einen Moment Zeit hast, möchte ich Dir gerne etwas aus unserer Arbeit erzählen.

Gemeindearbeit in Mazedonien

Vase Azmanov ist Pastor unseres Partners in Skopje/ Mazedonien, der Evangelical Congregational Church und der Leiter des Vereins „Segen“. Über diesen Verein wird die Verteilung der Hilfsgüter organisiert, die vier Mal pro Jahr von der FeG Auslandshilfe kommen.
In seinem letzten Bericht erzählt Vase unter anderem, dass sie in der Missionsstation Gorno Lisiche ein Problem haben. Es ist Winter und sehr kalt. Sie haben kein Holz mehr, um den Gemeinderaum für die Gottesdienste zu heizen. Wo ist das Problem? Zwei bis drei Raummeter Holz kosten umgerechnet etwa 120 Euro. Das können sie sich nicht leisten. Vase schreibt: „Wir sind im Gebet, dass der Herr Jesus es jemandem auf’s Herz legt, der hier helfen könnte.“ 2016 habe ich die Missionsstation besucht. Leiter ist Peno Said. Er war Moslem und kam vor vielen Jahren zum Glauben an Jesus Christus. Auf seinem Haus baute er einen großen Gemeindesaal. Seit Jahren ist es ein Rohbau, unverputzt, die Fenster nur notdürftig eingekeilt. Es pfeift durch alle Löcher.

Romagemeinde in Shutka

Im Januar besuchte ich die Romagemeinde in Shutka. Shutka ist die größte Romasiedlung Europas. Über 50.000 Roma leben hier. Zum größten Teil sind es Muslime. Wieder saß ich mit der Gemeindeleitung der evangelikalen Romagemeinde in dem kleinen baufälligen Gemeindehaus zusammen. Ein Ofen aus dünnem Blech heizte den Raum dürftig. In kurzen Abständen musste Holz nachgelegt werden. Und das Holz ging zusehends zur Neige. Nach zwei Stunden waren meine Füße nahezu zu Eis gefroren (typisch Westeuropäer). Ich fragte, wie das bei den Gottes-diensten geht und ob es keinen besseren Ofen gäbe. Doch, den gäbe es. Aber der kostet umgerechnet ca. 200 Euro. Außerdem hätten sie für den Rest des Winters kein Holz mehr. Aber sie beten darum. Meine eisigen Füße mahnten mich zum Handeln. Im Namen der FeG Auslands-hilfe vertraute ich dem Kassierer 250 Euro an. Noch während meines Aufenthalts in Skopje bekam ich Fotos von dem neuen Ofen und Holz zugesandt. Am 19. Januar 2018 werde ich wieder mit den Romafreunden in Shutka zusammensitzen, erzählen, beraten und beten, und es wird wärmer sein.

Das Timotheus Bible Institut (TBI) in Bukarest/ Rumänien

Es wurde 1993 von den Brüdern Dr. Elisei und Dr. Jeremia Rusu gegründet. Heute studieren dort ca. 150 Studenten. Die staatliche Akkredi-tierung ist beantragt. Als ich das TBI das erste Mal besuche, zeigen mir einige der Dozenten das Gebäude. Von außen konnte es mit staatlichen Mitteln Stück für Stück isoliert und verputzt werden. Auch von innen wird es saniert. Klassenräume sind teils noch mit Tischen und Stühlen ausgestattet, die ich aus meiner Grundschulzeit kenne. Die Dozenten zeigen mir dankbar den sanierten dritten Stock, auch die neu entstandenen kleinen Hörsäle. Sie sind komplett leer. Nächste Woche sollen das neue Studienjahr und die Vorle-sungen des nächsten Semesters beginnen. Mit einem großen Fragezeichen im Gesicht stehe ich in einem Hörsaal ohne Mobiliar. „Was ist mit Tischen und Stühlen?“, frage ich. „Wir beten noch“, ist die kurze Antwort. „Es geht Schritt für Schritt nach Gottes Zeitplan“, sagt Elisei Rusu.


Das sind nur drei kleine Beispiele aus meinen Begegnungen mit Menschen in Südosteuropa. Heute können wir als FeG Auslandshilfe in acht Ländern Südosteuropas unsere Partner in ihren jeweiligen diakonischen Initiativen, Projekten und Einrichtungen und ihrer Gemeindeentwicklung unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar, es ist ein Vorrecht, helfen zu können.

Stiftung „Zeichen der Liebe“, Gotse Delchev/ Bulgarien

Wir sind dankbar für die Entwicklung in der Stiftung „Zeichen der Liebe“. Vor drei Jahren dachten wir, dass die Klinik „Zeichen der Hoffnung“ vor dem Aus steht. Heute ist die Klinik mehr denn je ein Ort der Hoffnung für viele Menschen in dieser strukturschwachen Region Bulgariens. Die Klinik ist täglich voll mit Leben. Dieses Jahr wurde endlich eine neue soziale Dienstleistung vom Sozial-ministerium genehmigt. Heute praktizieren 18 Fachärzte an verschiedenen Tagen in der Klinik. Der mobile häusliche Hospizdienst ist eingebunden. Menschen auch ohne Krankenversicherung können medizinisch und sozial versorgt werden. Mit großzügigen Spenden konnten wir die Röntgenabteilung sanieren, einen Aufzug einbauen, die Klimatisierung verbessern, eine Drainage bauen und die Rampe für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte verlängern. Die Klinik „Zeichen der Hoffnung“ ist damit eine der wenigen barrierefreien Einrichtungen in der Stadt.

Das Tagesförderzentrum „Zeichen der Liebe“

für Menschen mit Behinderung feierte am 29. September 10-jährigen Bestehen. Es ist eine Modelleinrichtung für ganz Bulgarien. Nach einer Prüfung im November durch die Staatsagentur für Kinderschutz erhielten wir einen Brief von Ofelia Kaneva, der Vorsitzenden dieser Agentur. Sie schreibt: „Sehr geehrter Herr Stahl-schmidt, nehmen Sie meine Wertschätzung für die Direktorin und das Team in der sozialen Dienstleistung des Tagesförderzentrums an. Sie arbeiten mit Hingabe und Widmung zu den Kindern und ihrer Individualität, sie bemühen sich sehr und sie erreichen reale Ergebnisse in der Arbeit mit den behinderten Kindern.”

Mutter-Kind-Zentrum „Lebenzeichen“ in Bukarest/ Rumänien

Das Mutter-Kind-Zentrum „Lebenzeichen“ hat dieses Jahr wiederum einigen Müttern mit ihren Neugeborenen auf den Weg in ein selbständiges Leben helfen können. Allerdings wurde die Arbeit sehr erschwert durch erhebliche behördliche Auflagen, die verschiedene kleinere und größere Baumaßnahmen erforderten. Vor allem gab es erhebliche Auflagen zum Feuerschutz. Der verheerende Brand am 30. Oktober 2015 im Bukarester Musikclub „Colectiv“, der dutzende Menschen das Leben kostete, hat die staatlichen Behörden auf den Plan gerufen. Das hat auch „Lebenszeichen“ zu spüren bekommen und nicht zuletzt zusätzliche Investitionen erfordert. Mittlerweile haben wir für alle Bereiche die Anerkennung und Lizenzen erhalten. Aktuell sind beide Häuser fast vollständig belegt.

Humanitäre Hilfe

Es waren in diesem Jahr sicher an die dreißig 40-Tonner, die von unserem Logistikzentrum aus mit Hilfsgütern nach Südosteuropa gesendet wurden. Pakete zum Leben, gute Kleidung, von vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden sortiert und in Bananenkartons verpackt, medizinische Hilfsmittel, Pflegebetten, Stühle und Tische für Gemeinden; es ist kaum aufzuzählen, womit wir helfen können. Dankbar sind wir für das vielseitige Engagement in unseren Gemeinden, die „Pakete zum Leben“-Aktionen organisieren, Kleidung sammeln, spenden usw. Darin liegen auch für die Gemeinden vor Ort gute missionarische Möglichkeiten. Ohne das Engagement in unseren Gemeinden ginge nicht ein Hilfstransport nach Südosteuropa.

FeG Katastrophenhilfe

Überschwemmungen in Nepal, Pakistan und Indien mit mehreren tausend Toten, Erdbeben in Mexiko, Hurricans über Mittelamerika, Erdbeben im Grenzgebiet von Irak/ Iran, Hungerkatastrophe in Ostafrika – die FeG Katastrophenhilfe ist nicht der Adressat für gute Nachrichten, sondern eben für Katastrophen weltweit. Die gute Nachricht ist, dass wir vor allem unsere guten Partner „humedica e.V.“ und „Habitat for Humantity“ in ihren internationalen Einsätzen mit größeren Summen unterstützen konnten. So gelangen Ärzte- und Sanitäterteams mit mobilen Kliniken in die Katastrophengebiete, und Häuser werden wieder aufgebaut. Mehr dazu steht aktuell auf www.auslandshilfe.feg.de.

Und die gute Nachricht ist, dass Gott genau in diese Welt kommt, dass er sichtbar und erlebbar wird, Gebete werden erhört – auch durch Deine und Eure Unterstützung. Danke!