Fahrt nach Moldawien im April 2013

Clemens Baehr berichtet über eine Fahrt mit Volker Grass nach Moldawien. Ziel war das medizinische Zentrum „Gloria“, welches dort von der Stiftung „Wort und Tat“ betrieben wird.

Auf ging´s Ende April wieder nach Moldawien. Ziel war das medizinische Zentrum „Gloria“, welches dort von der Stiftung „Wort und Tat“ betrieben wird. Diese Stiftung wurde von Heinz-Horst Deichmann gegründet. In diesem Zentrum haben mittellose Menschen die Möglichkeit, sich kostenlos medizinisch behandeln zu lassen. Des weiteren wird dort täglich Essen gekocht. Vor zwei Jahren waren es 120, heute bereits 180 Essen, die dort ausgegeben werden. Auch hieran sieht man, dass es Moldawien nicht besser geht. Jeden Sonntag wird im Anschluss an das Mittagessen dort Gottesdienst gefeiert. Was wir hingebracht haben, konnten wir diesmal anhand der Ladeliste nicht vorher sehen, da diese in rumänischer Sprache übersetzt war. Das wurde immer wieder von den Zollbeamten verlangt und ist nun umgesetzt worden.

Wie immer Sonntagnachmittag los und die erste Rast in Österreich. Von dort über Budapest Richtung Westen nach Oradea, da wir gerne wieder eine, zwar nicht so schnelle, aber dafür landschaftlich schöne Strecke mitten durch Siebenbürgen fahren wollten.   Durch blühende Frühlingslandschaft nach Cluj/Napoca (Klausenburg), Sigishoara (Schäßburg) über Brasov (Kronstadt) in Oancea über die Grenze nach Moldawien. Dort wurden wir wieder von Pastor Vitali, Leiter des medizinischen Zentrums „Gloria“, empfangen.

Nachdem wir die Zollformalitäten erledigt hatten, was hier immer recht flott und reibungslos geht, fuhren wir die letzten 70 km bis Ceadir Lunga und kamen am späten Dienstag Abend an.

Am Mittwochmorgen mussten wir mit dem Lkw nach Comrat fahren, eine Stadt 40km nördlich, zur dortigen Zollbehörde. Während wir im Lkw warteten, hatte der Pastor reichlich zu tun damit, die Formalitäten zu erledigen. Gegen 10.30 Uhr meldete er, es sei alles fertig, bald käme der Beamte und würde die Plombe entfernen und die Lebensmittel überprüfen. Niemand kam! Nach der Mittagspause stellte sich dann heraus, dass die Papiere doch nicht vollständig waren. Das hin und her zog sich bis 17 Uhr! Dann machten sie Feierabend, und wir mussten am nächsten Tag wiederkommen. Aber mit dem Versprechen, dass es dann ganz schnell gehen würde. Den Lkw ließen wir dort und fuhren mit Pastor Vitali im Pkw zurück nach Ceadir Lunga.

Am Abend besuchten wir die Einrichtung für alkoholkranke Männer, die auch von Pastor Vitali geleitet wird. Dort war ich zwei Jahre vorher schon einmal. Damals hatte ich dort einen jungen Mann kennen gelernt, der ein Jahr zuvor im Winter betrunken auf der Straße gefunden wurde und nach Krankenhausaufenthalt dort hingebracht wurde. Kurz vor dem Erfrieren war er gefunden worden, seine Beine hat er allerdings in dieser Nacht verloren. Diesen Mann haben wir jetzt wieder getroffen. Er saß dort mit einem frohen und zufriedenen Gesicht, und es war offensichtlich etwas mit ihm passiert. Vom Pastor erfuhren wir dann, dass er im letzten Jahr zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist und sich auch hat taufen lassen. Einen weiteren jungen Mann lernten wir kennen, der 10 Jahre mit Alkohol, Drogen und Gefängnisaufenthalten verbracht hatte. In der Einrichtung ist auch er gläubig geworden und geht jetzt zweimal die Woche zu einer Gruppe Drogensüchtiger und versucht dort, ihnen durch seine eigene Lebensgeschichte zu helfen.

Am nächsten Morgen wieder zum Zollhof und weiter ging´s. Kurz und gut, das Ganze zog sich noch bis 13 Uhr, da immer wieder irgendwelche Bescheinigungen verlangt wurden, die aus Deutschland zugesendet werden mussten. Mit vielen Helfern wurde dann am Donnerstag Nachmittag entladen. Nach einem guten Essen fuhren wir dann zur Grenze nach Giurgiulesti 120km entfernt im Süden Moldawiens.

Vorneweg führte uns ein Mitarbeiter des Zentrums über „Straßen“, die wir freiwillig nicht gefahren wären!

An der Grenze ging es dann auf moldawischer Seite sehr schnell. Um 18.15 Uhr standen wir vor der rumänischen Seite. Vor uns zwei Reihen mit je acht Lkw. Am nächsten Morgen um fünf waren wir endlich durch! Ein Bummelstreik ist nix dagegen! Zurück nahmen wir jetzt die schnellere Strecke über Galati, Plojesti, Brasov, Sibiu (Herrmannstadt), Deva, Arad und über die ungarische Grenze in Nadlac.

Trotz einiger zusätzlicher Stopps, um Honig und Käse an der Straße zu kaufen, kamen wir Freitagnacht um 1 Uhr noch über die Grenze nach Österreich. Nach einer kurzen, aber guten Nacht im Lkw erreichten wir um 19 Uhr das Lager der Auslandshilfe in Wissenbach im Lahn-Dill-Kreis.

Wiedermal war eine sehr schöne und auch abenteuerliche Fahrt zu Ende. Etwas getrübt durch die ewig erscheinenden Wartezeiten, aber auch mit vielen sehr schönen Eindrücken und Erlebnissen. Allerdings auch immer nachdenklich stimmend, wenn man die Armut dort sieht und hautnah erlebt.

Clemens Baehr