SUPPENKÜCHE

Suppenküche in Sofia/Bulgarien

Die AUSLANDSHILFE hat die Suppenküche in Sofia in den letzten Jahren
mit jeweils 12.000 €/a unterstützt.

Spenden-Stichwort:

  • 71230 Suppenküche Sofia

SPENDENKONTEN

Die Suppenküche von Sofia

Text und Fotografie: Taro Kataoka und Frank Wiedemeier

(2018) Es ist Dienstagvormittag. In der Küche der Ersten Evangelischen Kirche Sofia in der Ulitsa Solunska 49, Mitten im Stadtzentrum der bulgarischen Hauptstadt, wird gekocht. Ana ist Köchin und bereitet heute „pile i oriz“ zu, Hähnchen und Reis, ein typisch bulgarisches Essen. Währenddessen kümmern sich Iskren und Lilia um die Essensausgabe, die sich im Eingangsbereich des Kirchenanbaus befindet. Für Punkt 12 Uhr werden die ersten Gäste erwartet.

Dann ist es soweit. Auch Stanislav Alexiev, zweiter Pastor der Kirchengemeinde hilft mit, das Essen aus der Küche zur Ausgabe zu tragen. Einige Menschen warten bereits.

Bonka ist auch gekommen. Sie ist 90 Jahre alt und gehört seit 34 Jahren zur Ersten Evangelischen Kirchengemeinde in Sofia. Sie hat den Kommunismus und dessen Zusammen-bruch erlebt. Ihr Leben ist von Armut geprägt. Eine warme Mahlzeit am Tag ist für sie nicht selbstverständlich. Und so ist sie dankbar, dass ihre Gemeinde in den 1990er Jahren eine Suppenküche eingerichtet hat.

„Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus geriet die Landeswährung Leva stark unter Druck und es kam zu einer massiven Inflation,“ berichtet Stanislav Alexiev. „Die Menschen hatten auf einmal kein Geld mehr, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Noch nicht einmal für Nahrungsmittel reichte das Geld. Vor allem in Sofia war es sehr schlimm. Selbst hochqualifizierte Menschen waren nicht in der Lage, ihre Miete zu zahlen und haben alles verloren.“

In dieser Situation initiierte der damalige Pastor Christo Kulichev die Suppenküche. Von Montags bis freitags gibt es seit über 20 Jahren eine Suppe als Vorspeise und ein Hauptgericht. Nur einen Nachtisch kann die Küchencrew nicht anbieten, da dieser zu aufwändig wäre. Gekocht werden typisch bulgarische Gerichte, damit sich die Gäste heimisch fühlen. Verarbeitet wird dabei, was die Jahreszeit zu bieten hat.

„Anfangs kamen 80, teils bis zu 100 Menschen zur Suppenküche auf das Gelände der Kirchengemeinde. Seitdem sich die wirtschaftliche Situation im Land und vor allem in Sofia entspannt hat, sind es noch etwa 40 Personen, die jeden Tag kommen,“ weiß Pastor Alexiev.

Bonka wohnt weit außerhalb vom Stadtzentrum und benötigt mit dem Bus eineinhalb Stunden für die einfache Strecke. Dabei muss sie zweimal umsteigen. So geht es vielen Bedürftigen, da sie sich eine Wohnung im Zentrum der Stadt nicht leisten können. „Wir denken daher darüber nach, vom Zentrum, dem Standort unserer Gemeinde, in das Umland zu gehen,“ berichtet Pastor Alexiev. „Derzeit unterhält die Gemeinde eine kleine Missionsstation in einem von Roma bewohntem Gebiet. Eine andere Station liegt in einem anderen Vorort, wo junge Menschen und Studenten leben. Das Betätigungsfeld in der mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern großen Stadt Sofia ist gewaltig.“

Bulgarien ist orthodox geprägt. Nach deren Verständnis ist Gott nur in der Kirche zu finden. „Wer Gott erfahren und seine

Gnade empfangen möchte, muss nach orthodoxem Verständ-nis in die Kirche gehen. Als evangelische Kirchengemeinde haben wir aber ein anderes Verständnis. Gottes Gnade und Gegenwart ist nicht an ein Gebäude gebunden, sondern zeigt sich im Menschen,“ sagt Pastor Alexiev. Deswegen möchte sich die 125 Mitglieder zählende Kirchengemeinde mehr und mehr auf den Weg zu den Menschen machen. Mit 180 bis 200 sonntäglichen Gottesdienstbesuchern möchte sie sich nicht zufrieden geben.

Von den Bedürftigen, die zur Suppenküche kommen, finden vereinzelte den Weg in den Gottesdienst. „Das freut uns sehr. Denn wir haben mehr anzubieten, als eine Speise für den Körper. Wir möchten den Menschen vor allem geistliche Nahrung spenden,“ unterstreicht Alexiev. Und so bittet er die Gemeinden in Deutschland vor allem um Gebets-unterstützung. Denn der Weg von der Suppenküche in den Gottesdienst sei für viele weit und herausfordernd. Daneben benötigt die Kirchengemeinde auch weiterhin finanzielle Unterstützung, denn allein aus eigenen Mitteln sei die Arbeit der Suppenküche kaum zu stemmen. „Für jeden bereits gespendeten Euro aus Deutschland ist die Gemeinde sehr dankbar, da er das Leben hier in Bulgarien verändert. Auch wenn es vielleicht für Deutschland langweilig ist zu hören sein mag, dass jeder Euro etwas bewirkt, für die Menschen hier, geht es um das Stillen von Grundbedürfnissen. Bitte betet weiter und wenn es euch ein Bedürfnis ist, dann helft uns weiterhin.“

Inzwischen ist es nach 12:30 Uhr. Die Pforte der Suppenküche schließt. Morgen werden viele von ihnen wieder kommen.


Ein warmes Essen für 0,70 €

(2013) Die Sozialküche der „Evangelisch kongregationalen Gemeinde Sofia“ (= FeG) läuft schon mehrere Jahre. 2003 hat der Bund FeG Deutschland einen Anbau finanziert, der als Gemeindehaus und Zentrale des Bundes genutzt wird. Dort ist auch die „Sozialküche“ untergebracht.

Der Preis für ein Essen liegt bei ca. 0,70 €. Für 15,00 – 20,00 € kann eine Person einen Monat lang versorgt werden. Bis jetzt hat die Auslandshilfe weitgehend die Kosten übernommen. Immerhin sind es 1.000,- €, die wir von der Auslandshilfe monatlich an die Gemeinde in Sofia weiterleiten. Wenn man aber die ca. 70 bedürftigen Menschen sieht, wie sie von montags bis freitags mit ihren Blechnäpfen, Beuteln, Tüten und Dosen vor dem Eingang warten, dann wird die Notwendigkeit dieser Maßnahme deutlich.

Der Koch und die Mitarbeiterinnen kommen alle aus der Gemeinde. Der Koch ist teilzeitbeschäftigt und erhält eine angemessene Vergütung. Die Mitarbeiterinnen sind freiwillige Helfer. Das Essen wird in der Küche der Gemeinde gekocht und dann in mitgebrachte Gefäße gefüllt. Freitags gibt es einen „Schlag“ mehr. Das Essen ist abwechslungsreich, wenn auch einfach und besteht aus einer Suppe und einer Hauptmahlzeit, oder einer Hauptmahlzeit und einem Dessert.

Alle Bedürftigen sind bei den Behörden als besonders arm registriert. Mit dieser Bescheinigung kommen sie dann zur Gemeinde in die Straße Solunska im Zentrum Sofias.

Rentner erhalten in der Regel zwischen 50 – 100 € Rente (2013). Die Kaltmiete liegt aber bereits bei 25 €. Viele haben die Heizung abgestellt, weil sie zu teuer ist. Sie heizen mit abenteuerlichen Holzöfen im Hochhaus. Im Frühjahr und in den Sommermonaten stehen viele an den Straßen und Plätzen und verkaufen Blumen oder andere Sachen, um ein paar Leva oder Stoitinki (bulg. Währung) zu verdienen. Es sind z.T. schon jämmerliche Gestalten. Ein paar Mal im Jahr kommt auch ein LKW der AUSLANDSHILFE in die Stadt und bringt Lebensmittel, Kleidung und andere wichtige Güter, die dann über verschiedene Gemeinden und Einrichtungen (u.a. Drogentherapiezentrum) an Bedürftige weiterverteilt werden.

Beispielhafter Speiseplan

So sieht z.B. das „Menü“ für eine Woche aus, das im Gemeindehaus täglich frisch zubereitet und ausgegeben wird:

  • Montag: Kohl mit Reissuppe, Kartoffeln und Gemüse
  • Dienstag: Gemüsesuppe, Kohl mit Fleisch
  • Mittwoch: Kartoffel- und Nudelsuppe, Reis und Tomaten
  • Donnerstag: Gulaschsuppe, Bohnen mit Wurst
  • Freitag: Linsensuppe, Kartoffeln, Milch und Eier

Jede Woche wird der Plan neu aufgestellt. Helfen wir der Gemeinde in Sofia, ihre Geschenke täglich geben zu können.