Boldesti-Scaeni

Gemeindehaus wird zum Bildungszentrum

22.Oktober 2016

Boldesti-Scaeni ist ein kleines Romadorf, 80 km nördlich von Bukarest. Ein Dorf, wie es oft in Rumänien vorkommt. Das Bild ist geprägt von Armut, die Häuser ähneln zum Teil einfachen zusammengezimmerten Hütten. Unser Mittelsmann für die Verteilung von Hilfsgütern in Rumänien ist Costel Georgescu. Mit ihm und Claudia Thomas, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus unserem Lager in hessischen Wissenbach, besuche ich Ende Oktober 2016 diesen Ort. Es regnet in Strömen. Trotzdem hängt die Wäsche draußen. „Als ich das Romadorf das erste Mal sah, habe ich mich gefragt, wie Menschen darin leben können“, sagt Claudia Thomas. Es ist ungewöhnlich kalt, offensichtlich fehlt den jungen Leuten warme Kleidung. Etliche Häuserhaben keine heizung und kein Bad.

Warme Mahlzeit für Kinder

Pastor Viorel Oprisan mit Schulkindern

So gesehen ist es ein kleines Wunder, was die Roma-Christen geschafft haben: Aus eigener Kraft, ohne fremde Hilfe, mit den Mitteln, die ihnen grade zur Verfügung stehen, bauten sie innerhalb von zwei Jahren ein „Gemeindehaus“. Neben den Veranstaltung der Gemeinde wird es gleichzeitig ein Bildungs- und Entwicklungszentrum für Kinder und Jugendliche genutzt. Die Christen übernehmen so Verantwortung für das öffentliche Leben und die Menschen, die dort wohnen. Leiter dieses „Einflusszentrums“ ist Pastor Viorel Oprisan. Er erzählt uns: „Aufgrund der Armut unter den Roma gehen die Kinder nicht zur Schule. Außerdem haben viele nicht genug zu essen. Von der ersten bis zur 10. Klasse kommen die Schüler/-innen nach dem Schulunterricht hierher. Täglich erhalten rund 70 Kinder und Jugendliche eine warme Mahlzeit. Anschließend bekommen sie durch ehrenamtliche Helfer, Studenten der Roma Unterstützung bei den Hausaufgaben. Zwei Professorinnen helfen den Schülen der 12. Klasse zweimal in der Woche bei der Vorbereitung ihrer Abschlussprüfungen.“

Studierende sollen bleiben

Pater Rafael, Mitarbeiter in einem Kinderdorf für Waisenkinder, das zur Organisation „Pro Vita Rumänien“ gehört, sagt: „Der Wunsch, die Kinder zu retten, war immer größer, als die Möglichkeiten, die wir im Moment hatten.“ Der Gedanke hinter dem Gemeindehaus als Bildungszentrum in Boldesti-Scaeni basier auf einer Vision, ein paar Steine und zupackenden Händen. Alles mit dem Ziel, eine Gesellschaft ein kleines Stück positiv zu verändern. Zwei Wochen vor unserem Besuch, hat die Gemeinde ein weiteres Grundstück gekauft. Dort soll eine Klinik entstehen. Mittlerweile haben einige Roma ein Medizinstudium absolviert. Die dortige Gemeindeleitung hat 20 Studenten verschiedener Fachrichtungen gebeten, zu bleiben.

Schultafeln aus Deutschland

Diese Romagemeinde und das „Einflusszentrum“ gehören der Organisation „Asociata Lumina Pentru Romi“ (Licht für Roma) an. Seit vier Jahren erhalten die dazugehörenden Gemeinden Pakete zum Leben und andere Hilfsgüter von der FeG-Auslandshilfe. Die Schultafeln, die im Bildungszentrum hängen, sind erst zwei Wochen vor dem Besuch mit einem Transport der Auslandshilfe gekommen. Costel Georgescu und sein Sohn Liviu kümmern sich seit Jahren um den Empfang der Hilfsgüter aus Deutschland und organisieren die Verteilung. Costel hält regelmäßig Kontakt zu Gemeinden und diakonischen Einrichtungen.

Dankschreiben

Jost Stahlschmidt, Leiter der FeG-Auslandshilfe, erhielt offizielles Dankschreiben aus Rumänien. Darin steht:

„Liebe Geschwister der FeGs in Deutschland, wir grüßen Euch im Namen unseres Herrn Jesus Christus! Durch diesen Brief möchten wir unsere Dankbarkeit ausdrücken für die großzügige Hilfe durch Nahrungsmittel und Kleidung, die Casa Simeon von Rachiti, Botosani, von euch erhalten erhalten hat. Wir beten darum, dass Gott euch entsprechend seiner großen Weisheit und seines Reichtums all eure Hilfe und Unterstützung vergelten wird. Ihr könnt sicher sein, dass eure Hilfe sehr geschätzt wird, und wir betrachten euch als Teilhaber mit uns in der Arbeit, die wir für den Herren tun, indem wir den alten „Heiligen“ helfen, die in Not sind.“