Erfahrungsberichte

Urlaub und Elternzeit mit Einsatz

Wenn wir erzählten, dass wir mit zwei Kleinkindern einen sozialdiakonischen Kurzeinsatz planen, ernteten wir immer wieder ratlose Blicke. Wir, das sind Daniel (Informatiker) und Daniela (Gesundheits- und Krankenpflegerin, z. Zt. in Elternzeit) mit Lea (2,5 Jahre) und Tom (1 Jahr). Wir reisen beide gerne und engagieren uns ehrenamtlich im Leitungsteam des FeG Sanitätsdienstes. Hier möchten wir über einen Mini-Einsatz in der Klinik „Zeichen der Hoffnung“ in Gotse Delchev, Bulgarien berichten.

Familie Georg: Familienurlaub einmal anders

Offen für Gottes Hinweise

Für Daniel war ein Monat Elternzeit im Mai 2019 geplant. Anfang des Jahres hatten wir das Gefühl, in dieser Zeit nicht nur einen Familienurlaub zu planen, sondern offen dafür zu sein, diese Zeit ganz bewusst für Gott zu investieren. Weil Daniel und ich die Erfahrung gemacht haben, dass es gut ist, diese Eindrücke ernst zu nehmen, begannen wir die Augen in diese Richtung offen zu halten.

Daniel und Daniela Georg mit Lea und Tom

Eine erste Idee konnte nicht umgesetzt werden. Aber dann, wie Gott es fügt, gab es ein Arbeitsgespräch des FeG Sanitätsdienstes, an dem unter anderen Jost Stahlschmidt und Daniel teilnahmen. Nur am Rande wurde dabei thematisiert, dass in der Klinik „Zeichen der Hoffnung“ Mitarbeiter in der Versorgung chronischer Wunden fortgebildet werden sollen. Die Versorgung chronischer Wunden war ein Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin und so fiel die Entscheidung, dass ich zwei Mitarbeiterinnen in Bulgarien zum Thema Wundversorgung fortbilden werde. Zeitgleich fiel die Entscheidung, dass ein PKW mit medizinischer Ausrüstung des FeG Sanitätsdienstes als Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) an die Stadt Gotse Delchev verkauft werden soll. Schon seit einigen Jahren wird regelmäßig nicht mehr benötigtes Material des FeG Sanitätsdienstes sowohl an die Klinik „Zeichen der Hoffnung“ als auch an die städtische Klinik, den Rettungsdienst und die Feuerwehr geliefert.

Als Familie flogen wir im Mai für zwei Wochen nach Bulgarien. Klaus Zörb (Leiter FeG Sanitätsdienst) und seine Frau Claudia fuhren mit dem PKW für fünf Tage ebenfalls nach Gotse Delchev. Klaus Zörb überreichte in dieser Zeit verschiedene medizinische und technische Geräte an Mitarbeiter der Feuerwehr und des städtischen Krankenhauses. Zudem konnte der persönliche Kontakt zum Bürgermeister von Gotse Delchev gepflegt werden.

Mit Kompetenzen unterstützen

In der Klinik „Zeichen der Hoffnung“ und durch den angeschlossenen mobilen Pflegedienst werden viele Menschen mit chronischen Wunden (offenen Beinen, Druckgeschwüren usw.) versorgt. Da die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von chronischen Wunden und die Verbandmittel nicht übernehmen, gehen Menschen oft erst sehr spät mit großflächigen, tiefen und stark belegten Wunden zum Arzt. Bisher ist es dort üblich, dass die Wunden meistens mit einfachen Kompressen versorgt werden und so auch über Monate und Jahre nicht heilen.
In Deutschland steht mittlerweile eine fast unüberschaubare Zahl an modernen Wundauflagen zur Verfügung. In Gotse Delchev ist die Auswahl hingegen äußerst begrenzt und auch nur auf Bestellung mit Wartezeit in einer Apotheke verfügbar. In Deutschland ist es üblich, dass chronische Wunden nach ihrer Ursache behandelt werden und mit speziellen Wundauflagen und weiterführenden Maßnahmen die Wundheilung gefördert wird.

Theorie und Praxis vermittelt

An vier Vormittagen habe ich zwei Mitarbeiterinnen fortgebildet, wie Menschen mit chronischen Wunden nach dieser Vorgehensweise versorgt werden können. Ani Tschuleva, Assistentin des Tagesförderzentrums „Zeichen der Liebe“, übersetzte äußerst kompetent. Zu Beginn haben die bulgarischen Mitarbeiterinnen, die Übersetzerin und ich die Apotheke vor Ort aufgesucht. Wir haben uns informiert, welche Wundauflagen dort gekauft werden können. Somit kann sichergestellt werden, dass der Umgang mit den Arten von Wundauflagen geschult wird, die dort erhältlich sind und die Fortbildungsinhalte für die bulgarischen Kolleginnen auch umsetzbar sind. Anhand vieler Piktogramme und Beispielbilder habe ich Themen wie Wundursachen, Wundheilungsphasen, Anwendung von Wundauflagen und die Begleitmaßnahmen, die zur Wundheilung förderlich sind, unterrichtet. Ergänzt wurden die theoretischen Inhalte durch die praktische Behandlung von Menschen mit Wunden in der Klinik. Da sich die Ausbildung und somit auch die Grundkenntnisse von Pflegenden in Bulgarien und Deutschland stark unterscheiden, wurden Punkte wie

Hygiene oder Kommunikation mit Patienten immer wieder thematisiert. Mich haben die Ernsthaftigkeit und das Engagement der Mitarbeiter von „Zeichen der Hoffnung“ beeindruckt. Ich habe dort Menschen erlebt, die unabhängig von dem in Bulgarien häufig üblichen Umgang mit erkrankten Menschen ihren Patienten mit Achtung und Respekt gegenübertreten. Trotz aller kulturellen Unterschiede spürte ich den Wunsch der Pflegenden, Neues zu lernen und die Versorgungsmöglichkeiten für die Menschen in Gotse Delchev zu verbessern.

Praktische Hilfe gepaart mit Urlaub

An den Vormittagen, an denen ich unterrichtet habe, hat Daniel sich um die Kinder gekümmert und an den Nachmittagen durften wir zusammen mit Klaus und Claudia Zörb die Hilfsgüter an die Feuerwehr und an das städtische Krankenhaus überreichen. Wir haben das Tagesförderzentrum „Zeichen der Liebe“ besichtigt und das Rahmenprogramm des Bürgermeisters erlebt. Vor und nach den „offiziellen“ Tagen, haben wir als Familie noch ein paar Tage Urlaub angehängt und die wunderschöne Landschaft der Rhodopen und des Piringebirges genossen. Für uns als Familie war es eine spannende Erfahrung, eine Urlaubsreise mit einem sozialdiakonischen Einsatz zu verbinden. Auch wenn es zeitweise mit zwei Kindern herausfordernd war, hatten wir die ganze Zeit über den Eindruck, an der richtigen Stelle zu ein.

Daniel und Daniela Georg
Teil des Leitungsteams FeG Sanitätsdienst
sanitaetsdienst.feg.de

Wundauflagen Spenden

Da viele Menschen in Gotse Delchev sich finanziell die teuren Verbandmittel nicht leisten können, nutzen die Pflegenden in der Klinik „Zeichen der Hoffnung“ auch gespendete Wundauflagen aus Deutschland. Gerne nimmt die Auslandshilfe übrig gebliebene Wundauflagen (angebrochene Großpackungen mit einzeln verpackten Wundauflagen etc.) entgegen und leitet sie weiter.