„Viele Menschen sind tief traumatisiert. Wir leben in einer Zeit großer Krisen. Inflation, Proteste, Demonstrationen und Gewalt auf der Straße. Und die Geflüchteten haben zudem noch Schlimmeres erlebt. Das Zuhause war in dieser Zeit für alle ein wichtiger Rückzugsort der Sicherheit und des Friedens. Nun wurden wir aus diesem Rückzugsort herausgebombt“, schildert uns unsere Kollegin Lubna Alattia aus Beirut. „Unser Team leistet jetzt zusammen mit lokalen Partnern schnellstmöglich Katastrophenhilfe.“

Die Menschen im Libanon sind widerstandsfähig. Sie sind bereits dabei, ihre Häuser nach der Explosion wiederaufzubauen, aber die Not ist immens. Die lebenswichtige Infrastruktur, darunter Krankenhäuser und Gesundheitskliniken, Schulen und das Wasser- und Abwassernetz der Stadtviertel, ist erheblich beschädigt. Unzählige kleine Geschäfte wurden zerstört, was die Generierung von Einkommen und den Zugang zu lebensnotwendigen Gütern einschränkt.

Die „Auslands- und Katastrophenhilfe“ des Bundes Freier evangelischer Gemeinden unterstützt aufgrund einer Kooperationsvereinbarung „Habitat for Humanity“.

Wiederaufbau von Beirut: Unterstützung für die Schwächsten – Beispiel Familie Noman

Hala’s children
Hala’s children, Aline and Allan, stand in the doorway of their home in Burj Hammoud, Beirut. Photo was taken by HFHI staff during home assessment visits.

„Mein Sohn wird bei Sonnenuntergang sehr still. Er versteckt sich in der Ecke, wenn er ein Flugzeug hört. Ich denke, es wird lange dauern, bis er dieses Geräusch vergisst“, sagt Hala Noman, eine 22-jährige kurdisch-syrische Geflüchtete, die in der libanesischen Hauptstadt Beirut lebt. Sie bezieht sich auf die tödliche Explosion, die Beirut im August 2020 erschütterte. Beamte schätzen, dass mindestens 170.000 Menschen in der Stadt in Häusern leben, die repariert oder wiederaufgebaut werden müssen.

Halas Mann arbeitet in einer Telefonreparaturwerkstatt. Er wollte näher an der Arbeit sein, also zog die Familie eine Woche vor der Explosion nach Burj Hammoud. Historisch gesehen ist dieses dicht besiedelte Gebiet von Beirut die Heimat der armenischen Gemeinde. Im Laufe der Jahre sind Wanderarbeiter aus Bangladesch, Äthiopien, Sri Lanka und Ägypten auf der Suche nach erschwinglichen Mieten in diese Gegend geströmt. In letzter Zeit haben auch syrische Flüchtlinge, die in kleinen Betrieben oder im Hafen arbeiten, eine Wohnung in Burj Hammoud gesucht. Aufgrund der Nähe zum Hafen hat dieser Teil der Stadt viele Schäden erlitten.

Im Jahr 2015 waren Hala und ihr Mann mit ihren beiden Kindern aus Syrien geflohen. Sie blieben zwei Jahre lang in der Türkei und mussten dann nach Syrien zurückkehren, um ihre Ausweise zu erneuern. „In Afrin saßen wir [die Kurden] zwischen einem Fels und einem harten Ort fest. Wir flohen in den Libanon, wo wir hofften, dass mein Mann arbeiten könnte“, erklärt Hala.

Hala war bei ihrer Nachbarin, als die Explosion passierte. Sie erinnert sich an die Geräusche von schreienden Frauen und Kindern und daran, dass alle aus dem Gebäude rannten. „Alle dachten, es sei ein Luftangriff“, erklärt sie. „Mein Mann brauchte etwa 15 Minuten, um zu uns zu kommen, und wir gingen in das Haus. Die Tür und die Fenster waren kaputt.“

Habitat for Humanity bot in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Hilfswerk und seinen lokalen Partnern Unterstützung für Halas Familie an. Diese Partnerschaft hat dafür gesorgt, dass diese Familie zerbrochene Fenster ersetzen, neue Türen einbauen und ihre beschädigte Küche und ihr Badezimmer reparieren konnte. Sie haben jetzt ein sicheres, angemessenes Zuhause.

Schäden an Häusern

Aktuellen Bedarfsermittlungen zufolge benötigen über 170.000 Menschen Unterstützung bei der Reparatur oder dem Wiederaufbau ihrer Häuser.

  • Etwa 30.000 Wohnungen sind leicht beschädigt, darunter zerbrochene Fenster, Türen und Fassaden.
  • 17.000 Wohnungen sind mäßig beschädigt, sie sind nicht sicher genug, sodass die Bewohner zurückkehren können.
  • Weitere 1.100 Gebäude erlitten umfangreiche Strukturschäden und müssen erheblich repariert oder vollständig abgerissen und wiederaufgebaut werden.

Schäden an Häusern

Aktuellen Bedarfsermittlungen zufolge benötigen über 170.000 Menschen Unterstützung bei der Reparatur oder dem Wiederaufbau ihrer Häuser.

  • Etwa 30.000 Wohnungen sind leicht beschädigt, darunter zerbrochene Fenster, Türen und Fassaden.
  • 17.000 Wohnungen sind mäßig beschädigt, sie sind nicht sicher genug, sodass die Bewohner zurückkehren können.
  • Weitere 1.100 Gebäude erlitten umfangreiche Strukturschäden und müssen erheblich repariert oder vollständig abgerissen und wiederaufgebaut werden.

© Habitat for Humanity

Wie wir helfen

Vor Ort arbeitet Habitat in Form von Kooperationen mit lokalen Partnern und führt folgende Hilfsmaßnahmen für Familien, Nachbarschaften und die breitere Zivilgesellschaft durch:

  • Heime und Familien: Habitat führt Reparaturen an beschädigten Häusern durch, um wieder Zugang zu einer sicheren und geschützten Unterkunft zu haben.
  • Wohnviertel: Habitat unterstützt die Wiederherstellung von Stadtvierteln durch Reparaturen an Schaufensterfronten und Läden von Kleinunternehmen und die Sanierung von Gemeinschaftsräumen und gezielter Infrastruktur.
  • Zivilgesellschaft: Habitat bietet Haushalten, lokalen Organisationen und NGOs Beratung und technische Hilfe zu Wohnungs-, Land- und Eigentumsrechten sowie Schadensbeurteilungen an.

Habitat for Humanity im Libanon ist Teil der UN shelter working group, die von UNHABITAT und UNHCR geleitet wird.

Beiruts komplexer urbaner Kontext

Städtische Erholung: Habitat wird technische Unterstützung leisten und dies auf Haushaltsebene sowie auf Nachbarschaftsebene durchführen. Ziel ist es auch ein friedvolles miteinander zu gestalten und Spannungen entgegenzuwirken angesichts der komplexen Lage vor Ort. Daher ist der Betrieb der Läden zur Versorgungssicherheit wichtig.

Wohnen, Land und Eigentum: Die Auswirkungen der Explosion belasteten die bereits gefährdeten Bevölkerungsgruppen weiter, darunter auch die Flüchtlinge, von denen viele keine Sicherheiten haben, Mieter sind, in informellen Siedlungen leben oder obdachlos sind. Durch die Nutzung unseres Know-hows wird Habitat Familien und Partnern in komplexen Fragen des Wohnungsbaus, des Grundstücks und der Eigentumsrechte beraten, beispielsweise wenn Familien ohne ausdrückliche Mietverträge in ihre Wohnungen zurückkehren.

Gebäudeschäden & Qualitätssicherung: Für die am stärksten betroffenen Familien, die in Wohnungen mittlerer bis hoher Dichte in ganz Beirut leben, ist der Schaden deutlich sichtbar. Strukturelle Schäden können jedoch oft mit bloßem Auge nicht erkenntlich sein und eine ernste Gefahr für die Sicherheit der Familien darstellen.  Die Ingenieure von Habitat werden Familien und Partnern dabei helfen, dass beschädigte Gebäude sorgfältig geprüft werden und dass jede Hilfsmaßnahme in hoher Qualität geleistet wird.


10. August 2020 | FeG Katastrophenhilfe | IFFEC Presse

Hilfe für Beirut | Libanon

„Die Szenerie sieht aus wie Hiroshima, wo ich buchstäblich rund 200 Verletzte auf dem Boden eines Krankenhauses liegen sah, das selbst halb zerstört wurde. Es sieht aus wie ein Schlachtfeld. Die Situation ist traurig. Aber zugleich sehe ich viele junge Menschen, die helfen, die Straßen von Trümmern und zerbrochenen Fenstern zu säubern. Das ist ermutigend. Bitte beten Sie für den Libanon.“ So schreibt es Jospeh Najem, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Beirut.

Die Freie evangelische Gemeinde in Beirut ist unser Ansprechpartner vor Ort. Sie ist durch die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut selber nicht betroffen. Seit vielen Jahren besteht mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden, der Allianz-Mission und dem Internationalen Bund der Freien evangelischen Gemeinden (IFFEC) eine enge Zusammenarbeit. Aktuell werden die akute Katastrophenhilfe und langfristige Projekte gebündelt und koordiniert.

Beten und spenden

Wir möchte Sie bitten für die Betroffenen, das Land Libanon und die Geschwister vor Ort zu beten:

  • Trost und Hilfe für die Betroffenen
  • für eine gute Koordinierung der Hilfe und den Wiederaufbau
  • ein Wechsel in der politischen Szene in Libanon, die der jungen Generation Zukunft und Hoffnung gibt
  • neue Möglichkeiten und Plattformen die Gute Nachricht von Jesus Christus unter die Menschen zu bringen

Spendenmöglichkeiten

Wir bitten Sie, den Betroffenen zu helfen durch eine private Sonderspende oder eine Kollekte an einem Sonntag.

1. FeG Katastrophenhilfe: Die FeG Katastrophenhilfe sammelt und hilft den Menschen vor Ort über die ihre Kooperationspartner (humedica e.V. und Habitat for Humantity Deutschland e.V.). Bitte spenden Sie, damit Menschen vor Ort geholfen wird, sie ein Dach über dem Kopf bekommen und die akute Not in der instabilen Lage vor Ort gelindert wird.

 

2.  Allianz-Mission | IFFEC: Die Allianz-Mission, der Bund FeG und der Internationale Bund Freier evangelischer Gemeinde sind zusammen an langfristigen Projekten im Libanon beteiligt. Auch hierfür können Sie spenden und die Gemeindeaufbauarbeit in der Krisenregion durch Ihre Spende unterstützen:

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Gottes Segen Ihnen.

Infos & Kontakt

„Mobile Medical Unit“ (mobile Krankenstation) mit Team in Beirut

Jost Stahlschmidt
Leiter Referat Auslands- und Katastrophenhilfe
Telefon: 02302 937-52
jost.stahlschmidt@bund.feg.de

Artur Wiebe
Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher
Telefon: 02302 937-33
artur.wiebe@bund.feg.de | presse.feg.de

Bildnachweis: „humedica“ mit freundlicher Genehmigung